BasiCode-Programme auf
JOYCiE-3 wiederentdeckt

Dieses Mal hat es geklappt, daß die letzte Klubzeitung des Jahres pünktlich zur Bescherung im Briefkasten steckte, so konnte sich an den Feiertagen schon mal ein Stündchen finden, darin zu schmökern und auch ein wenig auf der JOYCIE-CD 3 zu stöbern.

Ach schau, hier sind auch BasiCode-Programme von der Homepage des KC-Clubs ("BasiCode Programme von der KC85 Page.zip" im Verzeichnis "\joyce.de\basicode\download\nicht auf Page").

 

Frank Dachselt vom KC-Club streifte den KC 85 kurz in seinem Beitrag "DDR-Computergeschichte" in der K 54, an dieser Stelle will ich ein paar weitere Infos geben. Der KC 85 wurde in Mühlhausen/Thüringen hergestellt (verbreitetste Modelle KC 85/3 und KC 85/4). Das Grundgerät nutzt Kassetten als Speichermedium, die keine spezielle Datasette (wie der "Brotkasten" Commodore 64) brauchen, sondern über DIN-Buchse im handelsüblichen Musik-Kassettenrecorder genutzt werden. Auch ein spezieller Monitor ist nicht erforderlich, der Computer wird einfach an den Antenneneingang eines Fernsehers angeschlossen. Das Betriebssystem nennt sich "CAOS", nicht weil es chaotisch wäre, sondern das ist die Abkürzung von "Cassette Aided Operating System".

Das Konzept dieser Serie ist von vornherein auf Erweiterbarkeit ausgerichtet, es gibt auch die verschiedensten Steckmodule, einfach mal selbst auf kc-club.de reinschauen. Allerdings war der KC zu DDR-Zeiten nicht unbedingt erschwinglich, als Vergleich zur nachfolgenden Preisliste mal die Information, daß ich als Dreischichtarbeiter in der Mikroelektronik zwischen 1100 und 1300 DDR-Mark netto verdiente.

In der PCAI 6/7'90 ist im Artikel "Von Not und Tugend" eine ähnliche Preisliste enthalten, wo wenigstens schon Basisgerät und Erweiterungs-RAM im Preis gesunken sind. An gleicher Stelle auch Verkaufsannoncen mit Wahnsinnspreisen für "West"rechner

Am puren KC 85/3 hatte man erst einmal nur 16 KB nutzbaren RAM, klar, daß man auf das teure M 011-Modul schielte. Um einen Drucker (der natürlich auch teuer - wenn überhaupt zu kriegen - war) anzuschließen, brauchte man schon ein paralleles (DIO) oder serielles (V 24) Modul...

Das Preisgefüge war bekanntermaßen komplett anders, die Miete waren kaum 60 Mark, ein Zweipfundbrot 62 Pfennige, ein Brötchen 5 Pfennige, eine Straßenbahnfahrt 12 Pfennige usw. Was PKWs kosteten, welchen Komfort sie boten (und wie lange man dafür angemeldet sein mußte), ist bekannt. Computer waren selbstverständlich auch Luxusartikel, aber einfach so im Laden zu kaufen gab es sie trotzdem nicht.

Im Grunde kam man nur als Mitglied einer Schülerarbeitsgemeinschaft zu der Chance, sich mal an einen Computer setzen zu können, es sei denn, man hatte beruflich damit zu tun. Vorrangig gingen die in bei weitem nicht in ausreichender Stückzahl produzierten Geräte "in die Volkswirtschaft".

Nach der Wende fanden die meisten User den AMIGA, Atari oder IBM-Kompatiblen attraktiver, so fielen die Preise und man konnte sich nun auch als Privatmann ohne schlechtes Gewissen einen solchen Oldie aus DDR-Produktion leisten oder den schon vorhandenen endlich mit der Disketten-Erweiterungs-Hardware ausstatten.

Als Diskettengerät ist das gute Stück auch CP/M-fähig. Der CPC-Verwandte "KC compact" übrigens hat bis auf die Namensähnlichkeit (KC heißt einfach "Kleincomputer") nichts mit dieser Serie zu tun. Auch für den KC-Club spielt er allenfalls in Hinsicht auf seine CP/M-Fähigkeit eine Rolle. In der K 64 hatte ich ihn schon einmal vorgestellt, heute möchte ich dazu ein Bild nachreichen. Wen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum CPC interessieren, dem sei die CPCAI 6/7'91 empfohlen.

Zurück zum Betriebssystem des KC 85. Man braucht erst eine gewisse Zeit, sich einzuarbeiten, aber es ist dann doch nicht so eigen wie das des "Brotkasten". "CAOS"-spezifisch ist, daß Dateien anhand ihrer Namenserweiterung unterschieden werden. Speichert man aus dem ROM-Basic heraus ein Programm in Token-Form ab, erhält es die Extension ".SSS". Mit weniger Mühe als beim Commodore kann man das Programm allerdings auch als ASCII-Listing abspeichern: LIST#1"filename". Die hierbei entstehende (Text-)Datei erhält die Extension ".UUU" und kann nun mit jedem beliebigen Textprogramm weiterbearbeitet werden. Am C64 läßt sich ein solches Textlisting nicht einfach so wieder als Programm laden, man müßte es mit einem separatem Programm erst wieder in die Token-Form umwandeln. Diesen Nachteil hat der KC 85 nicht, mit LOAD#1"filename" läßt es sich nicht unproblematischer wieder laden als die Token-Form mit CLOAD"filename".

Nun, genug der Theorie, schauen wir doch einmal in die oben erwähnte ZIP-Datei hinein:

Verflixt, Murphy hat wieder ganze Arbeit geleistet - was schief gehen kann, wird auch schief gehen...

Ein einziges Programm hat die ASCII-Form (Extension UUU), alle anderen sind für den JOYCE böhmische Dörfer: die KC 85-Token (also computerspezifische interne Abspeicherungsform, erkennbar an der Dateinamenserweiterung SSS) interpretiert er anders und es gibt einen Syntax-Error oder einen Absturz. KONVERT (das einzige Programm in Textform) ist übrigens ein Programm zur Umwandlung von "Journalen" (die "Zeitung" der BasiCode-Rundfunksendungen) in .TXT-Dateien zur Weiterverarbeitung mit beliebigen Textprogrammen.

Angenommen, wir würden ein .SSS-Programm (also ein Programm, das unter dem ROM-Basic des KC 85 in Tokenform abgespeichert wurde) auf dem JOYCE einlesen. Das erste Problem wäre, daß der JOYCE nicht die nächste Zeile finden würde, denn der KC 85 speichert die Adresse der nächsten Zeile an den Anfang jeder Zeile, der JOYCE jedoch die Länge der aktuellen Zeile (und errechnet daraus selbst die Adresse der nächsten Zeile). Resultat wäre meist eine Meldung, Zeilennummer soundso würde nicht existieren. Doch auch die Befehle der ersten Zeile würden keinen Sinn machen. Angenommen, der KC 85 hätte einen Befehl "PRINT", diesen würde er intern als Token 9E (hexadezimal) ablegen, den der JOYCE aber als "INPUT" zurückübersetzen würde. So würde aus "FOR" (81) "CALL", aus "IF" (8A) "DEFINT", aus "GOSUB" (8C) "DEFSGN", aus "GOTO" (88) "DEF" und aus "REM" (8E) "DELETE", um noch ein paar Beispiele zu nennen. Die Idee von BasiCode ist, daß Programme auf vielen verschiedenen Computern von ein und derselben Kassette eingelesen werden können, hierfür gibt es ein gemeinsames Aufzeichnungsverfahren (das der jeweilige Computer durch ein - zwangsweise gerätespezifisches - Programm, den "Bascoder", zu nutzen in die Lage versetzt wird). Dieses Aufzeichnungsverfahren beinhaltet unter anderem, daß die Bandaufzeichnung in ASCII-Form erfolgt. Zwanzig Jahre später sind Diskettenausrüstungen für unsere Oldies besser verfügbar und leichter bezahlbar als damals. Man muß sich durchaus nicht weiter mit der weniger bequemen Kassettenarbeit herumquälen, doch wenn die BasiCode-Programme für andere Computer nutzbar bleiben sollen, das ist nun einmal der Sinn und das Ziel dieses "Computer-Esperantos", kann das nur klappen, wenn sie als Text-Listing abgespeichert werden: was vorher der Bascoder gewährleistete, muß man jetzt selbst im Auge behalten.

Zum Glück hat das Thüringer JUAG-Mitglied zwar nur einen emulierten JOYCE, aber einen realen KC 85 (und ein 5 1/4"-Laufwerk am "großen PC"). Also fix die Programme, die bisher noch nicht in der Sammlung waren, auf dem PC mittels 22DSK auf Diskette kopiert, von der Diskette am KC 85 eingelesen und gleich wieder - als .UUU-Datei - abgespeichert, nun wieder am PC via 22DSK auf Festplatte kopiert und zu guter Letzt noch ein wenig mit Notepad nachbearbeitet (vor und/oder hinter Basic-Schlüsselwörtern Leerzeichen eingefügt) und schon stehen der JUAG ein paar "neue" BasiCode-Programme zur Verfügung.

Was haben wir denn so ?

BLITZ.ASC, nun gut, als abgespeckter Schreibmaschinentrainer brauchbar, nicht so weltbewegend, aber halt auf jedem Heimcomputer nutzbar, was für mich der Reiz von BasiCode-Programmen ist.

 

 

DOKTOR.ASC - das kommt gerade recht, um die Praxisgebühr zu sparen - gibt es nicht auch ein Programm zum Euro-Scheine drucken, die Medikamente oder die Zuzahlung wollen ja trotzdem bezahlt sein?

TICTACTO.ASC, länger als drei Runden spielt es sicher niemand, aber auch computerhistorisch nicht uninteressant.

 

 

VIERGEWI.ASC, Vier gewinnt gab es schon für BasiCode-2 (ist auf der Kassette zum Wiegand-Fillinger-Buch dabei), diese Version verwendet Pixelgrafik statt damals Buchstaben-Grafik.

TETRIS.ASC - jetzt bin auch ich überrascht, daß sich auch dieses Spiel in BasiCode unsetzen ließ. Zwar nur in ASCII-Grafik, aber auf jeden Fall historisch interessant.

 

FAXICODE.ASC, auch ganz interessant. 1991 konnte Lieschen Müller schließlich noch nicht im Aldi einen PC kaufen, zu Hause aufbauen und mit dem Internet loslegen. BTX hätte sie nutzen können, doch die hier vorgestellte Idee, BasiCode als Fax-Protokoll zu verwenden, war gewiß kostengünstiger.

 

 

Haben wir nicht mit unserem jüngsten Clubtreffen den deutsch-niederländischen Freundschaftsgedanken des Programms FREUNDSF.ASC fortgesetzt? Der Spectrum- und SAM-Profi-Club brachte einige Gäste aus dem Land der Tulpen und Windmühlen mit.

Thomas Rademacher  //  Februar 2004